Die Psychotherapierichtlinien kennen in Deutschland vier anerkannte Verfahren: Analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TfP), Verhaltenstherapie und die Gesprächspsychotherapie. Jahrzehntelang fand die TfP formal nicht aus dem Schatten der psychoanalytischen Therapieschulen heraus und wurde zu Unrecht als "kleine" Psychotherapie verstanden bzw. so eingestuft. In der Versorgung hat sie den höchsten Stellenwert: ca. 60 % aller psychotherapeutischen Behandlungen sind tiefenpsychologisch fundiert, 30% Verhaltenstherapien, 10% psychoanalytische Psychotherapien. Die Gesprächspsychotherapie hat derzeit (noch) nicht die sozialrechtliche Anerkennung, um Kassenpatienten abrechnen zu können.

Psychodynamische Psychotherapie (das international gebräuchliche Synonym für unsere tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) wird in den Psychotherapie-Richtlinien (1998) wie folgt definiert: "Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie umfasst ätiologisch orientierte Therapieformen, mit welchen die unbewusste Psychodynamik aktuell wirksamer neurotischer Konflikte unter Beachtung von Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand behandelt werden."

In ihrem Lehrbuch "Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie", schreiben W. Wöller und J. Kruse: "Auf der Basis einer solchen breiteren Konzeption können wir davon ausgehen, dass tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie heute ein Spektrum von Therapieformen umfasst, die alle vom psychoanalytischen Standardverfahren abgeleitet sind und sich von ihm durch eine zeitliche Begrenzung, durch die Begrenzung der Regression, durch eine andersartige Handhabung der Übertragung - insbesondere durch den Verzicht auf die Förderung einer Übertragungsneurose - und durch den Einbezug kognitiver, edukativer, suggestiver und störungsspezifischer Techniken unterscheiden." Zum Verhältnis der Elemente anderer Methoden zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, schreiben Th. Loew und H. Kächele - zwei führende Psychotherapeuten - in einem Editorial der Fachzeitschrift "Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie": "Wenn es gelänge, die Musik-, die Kunst-, die Tanz- und die Körpertherapie in die TfP [tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie] zu integrieren, analog des genialen positiven Eklektizismus der Verhaltenstherapie, und empirisch zu untermauern würde die TfP zu einem weiteren Rahmenkonzept für eine zukunftsweisende multimodale Psychotherapie, die damit auch den nach wie vor bestehenden Wünschen der Patienten selbst gerecht würde, die ja eine Methodenvielfalt einfordern" (2002; 52: 203-204)

Dies ist auch weitgehend das Verständnis von Tiefenpsychologie der Wiesbadener Akademie für Psychotherapie, welches u.a. im Handbuch unserer Dozenten "Praktischer Leitfaden für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie", 2001 im Deutschen Psychologen Verlag erschienen, veröffentlicht worden ist. Unsere Basis ist ein psychodynamisches Theoriemodell. Aufgrund eines humanistisch-ganzheitlichen Menschenbildes betrachten wir den Menschen als ein Wesen mit einer Fülle von Fähigkeiten (ressourcen- und salutogenetisch-orientiertes Vorgehen), so dass Störungen und Konflikte als Fähigkeiten im weitesten Sinne betrachtet werden (positives Vorgehen). Ziel einer Psychotherapie ist es, dem Menschen Hoffnung auf seine eigenen Fähigkeiten zu geben und eine Balance zwischen den vier Bereichen ‚Körper', ‚Arbeit', ‚Beziehungen' und ‚Sinn/Zukunft' zu finden. Hierbei werden je nach Patient und Krankheitsbild, auch Elemente und Techniken anderer Verfahren angewandt. Für die Ausbildung an der WIAP-Akademie bedeutet dies, dass wir neben unserem Schwerpunkt "tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie" auch Methoden, wie Positive Psychotherapie, Psychodrama, Körpertherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie, Entspannungsübungen, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Gestalttherapie, Gesprächspsychotherapie, systemische Familientherapie, transkulturelle Psychotherapie u.a. lehren und weiter vermitteln. Die Kandidaten erleben dies als sehr bereichernd und praxisnah. Man kann unser Vorgehen auch als "humanistische Tiefenpsychologie" bezeichnen.

Lehrbuch "Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie"

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
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