Was ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?
In Deutschland gibt es drei anerkannte Verfahren für Kassenpsychotherapie:
• tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TfP)
• Verhaltenstherapie
• analytische Psychotherapie.
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hat einen sehr hohen Stellenwert: ca. 45 % aller psychotherapeutischen Behandlungen sind tiefenpsychologisch fundiert, ca. 45% sind Verhaltenstherapien und ca. 8% psychoanalytische Psychotherapien. Durch den fast ausschließlich verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt der Psychologischen Institute werden jedoch derzeit zunehmend Verhaltenstherapeuten ausgebildet.
Psychodynamische Psychotherapie (das international gebräuchliche Synonym für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) wird in den Psychotherapie-Richtlinien (2009) wie folgt definiert: "Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie umfasst ätiologisch orientierte Therapieformen, mit welchen die unbewusste Psychodynamik aktuell wirksamer neurotischer Konflikte unter Beachtung von Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand behandelt werden."
In ihrem Lehrbuch "Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie", schreiben W. Wöller und J. Kruse: "Auf der Basis einer solchen breiteren Konzeption können wir davon ausgehen, dass tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie heute ein Spektrum von Therapieformen umfasst, die alle vom psychoanalytischen Standardverfahren abgeleitet sind und sich von ihm durch eine zeitliche Begrenzung, durch die Begrenzung der Regression, durch eine andersartige Handhabung der Übertragung - insbesondere durch den Verzicht auf die Förderung einer Übertragungsneurose - und durch den Einbezug kognitiver, edukativer, suggestiver und störungsspezifischer Techniken unterscheiden."
Dies ist auch das Verständnis von Tiefenpsychologie der Wiesbadener Akademie für Psychotherapie, welches u.a. im Handbuch unserer Dozenten "Praktischer Leitfaden für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie", 2001 im Deutschen Psychologen Verlag erschienen, veröffentlicht worden ist. Unsere Basis ist ein psychodynamisches Theoriemodell. Aufgrund eines humanistisch-ganzheitlichen Menschenbildes betrachten wir den Menschen als ein Wesen mit einer Fülle von Fähigkeiten (ressourcenorientiertes und salutogenetisches Vorgehen).
Zum Verhältnis anderer Methoden zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, schreiben Prof. Loew und Prof. Kächele - zwei führende Universitäts-Psychotherapeuten - in einem Editorial der Fachzeitschrift "Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie": "Wenn es gelänge, die Musik-, die Kunst-, die Tanz- und die Körpertherapie in die TfP [tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie] zu integrieren, analog des genialen positiven Eklektizismus der Verhaltenstherapie, und empirisch zu untermauern würde die TfP zu einem weiteren Rahmenkonzept für eine zukunftsweisende multimodale Psychotherapie, die damit auch den nach wie vor bestehenden Wünschen der Patienten selbst gerecht würde, die ja eine Methodenvielfalt einfordern" (2002; 52: 203-204).
Für die Ausbildung an der WIAP bedeutet dies, dass wir neben unserem Schwerpunkt "tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie" auch Methoden und Techniken wie Positive Psychotherapie, Psychodrama, Körpertherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie, Entspannungsübungen, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Gestalttherapie, Gesprächs-psychotherapie, systemische Familientherapie, transkulturelle Psychotherapie u.a. lehren und weiter vermitteln. Die Kandidatinnen erleben dies als sehr bereichernd und praxisnah. Man könnte unser Vorgehen auch als "humanistische Tiefenpsychologie" bezeichnen.
Falls Sie Näheres über die von Prof. Nossrat Peseschkian entwickelte Positive Psychotherapie erfahren möchten, lesen Sie hier einen wissenschaftlichen Artikel über Salutogenetische Psychotherapie von Dr. med. habil. Hamid Peseschkian. Hier wird das methodische Grundlagenkonzept der WIAP-Akademie sowie das Gesundheits- und Krankheitsverständnis dieser Methode vorgestellt und erörtert
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